Am Freitagabend waren wir auf Einladung des Landesfeuerwehrverband Brandenburg an der Landesfeuerwehrschule Brandenburg in Eisenhüttenstadt zu Gast. Gemeinsam haben Florian Funkenkind und ich einen Vortrag zum Thema Konfliktmanagement in der Feuerwehr gehalten – genauer gesagt: über Spannungsfelder, Rollen und die Frage, warum Konflikte im Ehrenamt häufig deutlich komplexer sind, als sie auf den ersten Blick wirken.
Denn viele Konflikte entstehen eben nicht einfach nur zwischen zwei Menschen. Sie entstehen dort, wo unterschiedliche Erwartungen aufeinandertreffen. Genau dieser Perspektivwechsel stand im Mittelpunkt unseres Vortrags.
Wir haben darüber gesprochen, warum Führungskräfte in der Feuerwehr oft gleichzeitig Teil der Gemeinschaft und trotzdem verantwortlich für Entscheidungen sind. Warum zwischen Verwaltung und Feuerwehr unterschiedliche Denkweisen entstehen. Und warum besonders die Zusammenarbeit zwischen Haupt- und Ehrenamt immer wieder Spannungsfelder mit sich bringt.
Dabei ging es uns bewusst nicht um klassische „Konfliktlösungsrezepte“. Stattdessen wollten wir einen Blick hinter die eigentlichen Ursachen werfen. Nicht sofort fragen: „Wer hat Schuld?“ – sondern erst einmal verstehen, welche Rollen, Erwartungen und Wahrnehmungen eigentlich aufeinandertreffen. Genau dort entstehen häufig die eigentlichen Spannungen.
Ein spannender Impuls kam dabei auch von Florian mit dem sogenannten „Bad Apple Effekt“. Dahinter steckt die Beobachtung, dass einzelne Personen mit dauerhaft negativem Verhalten ganze Teams beeinflussen können – oft deutlich stärker und schneller, als man im ersten Moment denkt.
Dabei geht es nicht darum, Menschen vorschnell als „Problem“ abzustempeln. Vielmehr zeigt der Ansatz, wie stark Stimmung, Kommunikation und Verhalten innerhalb einer Gruppe wirken. Gerade im Ehrenamt, wo Zusammenarbeit stark auf Vertrauen und Motivation basiert, können wenige negative Dynamiken langfristig Auswirkungen auf die gesamte Organisation haben.
Der Impuls hat dabei bewusst die Frage aufgeworfen, wie Führungskräfte mit solchen Situationen umgehen können – ohne vorschnell zu urteilen, aber eben auch ohne problematische Entwicklungen dauerhaft zu ignorieren.
Ein besonderer Fokus lag außerdem auf einem Praxisfall aus dem Feuerwehralltag: unterschiedliche Erwartungen, unklare Kommunikation und die Frage, wie Beratung in solchen Situationen überhaupt sinnvoll funktionieren kann. Die Teilnehmer haben den Fall in Gruppen analysiert, Spannungsfelder herausgearbeitet und gemeinsam Lösungsansätze entwickelt.
Besonders spannend war für uns der offene Austausch mit den Teilnehmern. Schnell wurde deutlich: Viele der beschriebenen Situationen sind keine Einzelfälle. Sie gehören zur Realität von Führung und Zusammenarbeit im Ehrenamt dazu. Entscheidend ist deshalb nicht, Spannungen vollständig zu vermeiden – sondern bewusst mit ihnen umzugehen.
Für uns war der Abend vor allem eines: ein starkes Zeichen dafür, wie wichtig der offene Austausch über Führung, Rollenverständnis und Zusammenarbeit mittlerweile geworden ist. Themen, die früher oft zwischen Tür und Angel besprochen wurden, bekommen heute endlich den Raum, den sie verdienen.
Vielen Dank an den Landesfeuerwehrverband Brandenburg für die Einladung und an alle Teilnehmer für die ehrlichen Gespräche, die spannenden Perspektiven und den intensiven Austausch.
